Christus Oratorium

für zwei Soprane, vierstimmigen gemischten Chor, Sopran-Saxophon, Perkussion (ad libitum) und Orgel (URAUFFÜHRUNG: Ende 2011)

auch in einer Version für zwei Soprane, dreistimmigen Mädchen- oder Frauenchor, Sopran-Saxophon, Perkussion (ad libitum) und Orgel

Musik: Torsten Laux

Texte: (nach Bibelworten und Texten von Barbara Wilhelmi)

I. Prolog: Gottes schöpferische Geisteskraft

Vorbemerkung:

Die direkte Übersetzung des ersten Satzes aus dem Hebräischen macht deutlich, dass mit dem ersten Wort die "Anfangsschaffenskraft" gemeint ist, denn in dem ersten Wort b´r´schit ist der Wortstamm " bara" erschaffen enthalten, das dann auch im Satz folgt. Diese Anfangskraft erschuf Gott des Himmels und der Erde, als die Erde noch wüst und leer war und finster in der Tiefe und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Es beginnt mit dem Geist, auf Hebräisch: die Ruah. Sie schwebt über den Wassern und ist auch schon als Kraft des Beginnens am Anfang der Schöpfung vorhanden. Sie wird als schöpferischer Atem (Odem) von Gott in die Menschen eingehaucht.

I.1. Geist schwebt über den Wassern: „Anfangskraft erschuf …“

Anfangskraft erschuf Gott des Himmels und der Erde. Die Erde war wüst und leer. Dunkel in der Tiefe. Geist schwebte über dem Wasser. Es werde Licht, sagte Gott. Es wurde Tag. Wo Licht ist, ist kein Dunkel mehr.

I.2 Atem Gottes macht die Menschen: „Aus dem Ocker …“

Aus dem Ocker vom Acker, aus Erde formte Gott Menschen und hauchte Leben ein, Atem, Geist Gottes. Da wurden sie lebendig, der Atem Gottes macht die Menschen, der Atem Gottes macht lebendig.

II. Die vier Ahnfrauen Jesu Christi

Vorbemerkung:

Die Vorgeschichte von Jesus in der Genealogie erwähnt 4 Frauen: Tamar, Rahab, Ruth und Batseba, die seine Herkunft von Abraham bis Salomo in Gefahr bewahren. Die spätere Dramatik des Lebens Jesu zeigt sich schon in der Besonderheit dieser Ahnfrauen, die Wendepunkte markieren, dort wo fast die Genealogie abgebrochen wäre. Auch wegen der speziellen inhaltlichen Akzentuierung haben sie wohl Eingang in den Stammbaum gefunden. Zur Herleitung der davidischen Abstammung hätten es weitaus mehr Ahnmütter sein müssen oder aber sie hätten - wie andere - weggelassen werden können. Deshalb gibt das Oratorium im ersten Teil diesen Ahnmüttern Jesu einen großen Raum: Tamar, die sich Recht verschafft und dabei einen gefährlichen Weg geht; Rahab die pragmatische, andere rettende Hure; Ruth, die treue Migrantin/Ausländerin; und die in Schuld verstrickte, hartnäckige Batseba.

II.1 Tamar ist gerecht: „Tamar“

Tamar legte die Witwenkleider ab, verhüllte sich mit einem Schleier und setzte sich vor das Tor, wo Frauen alleine sitzen. Dort nahm sie von Juda das Pfand: Siegel, Schnur und Stab, denn dieser hatte sie übergangen im Recht. Schwanger wurde sie, doch niemand wusste von, wem? Juda war es. Wie eine Hexe wollte er sie brennen. Da löste sie das Pfand: Siegel, Schnur und Stab. Von diesem Mann ist es, Juda war es. Juda sagte: Tamar ist gerechter als ich, ich gab ihr nicht meinen Sohn zurück, ich tat nicht was Recht ist.

II.2 Rahab rettete: „Rahab“

Rahab, Rahab, gib die Männer heraus! Sie gingen schon durchs Tor der Stadt, ich weiß nicht wohin? Doch waren sie noch verborgen, auf dem Dach unter dem Flachs. Rahab ließ sie am roten Seil an der Mauer von Jericho herab und rettete ihr Leben. Gott will es so! Siebenmal zogen die Hebräer draußen um die Mauern mit dem Schall der Posaunen. Da fiel die Stadt.

II.3 Meine Treue überwindet Grenzen (Ruth)

Ruth: ... unruhig suche ich ihn, Boas ... Dort liegt er! Den Platz zu seinen Füßen decke ich auf und lege mich wie Naomi mir riet ... zu seinen Füßen lege ich mich und warte und ziehe mich aus! Boas: Kalt ist mir ... Was ist das? Wer bist du? ... zu meinen Füßen ... Wer bist du? Ruth (zögernd): Ich bin ... Boas: Sag es mir! Ruth (immer noch zögernd): Ich bin ... Boas (fordernd): Sag es mir! Naomi (im Hintergrund): Sag es ihm doch! Ruth (verzweifelt): Ich bin ... Boas (fordernd): Sag es mir doch! Naomi (drängt sich in den Vordergrund: Sag es ihm doch jetzt! Ruth (zeigt sich endlich): ... Ruth, Ruth. Naomi: Ruth! Boas: Ruth? Ruth: Ich bin Ruth. Lege den Zipfel deines Gewandes ... Naomi (im Hintergrund): So ist es bei uns Brauch Boas (zeigt sich freundlich, nimmt einen Zipfel seines Gewandes, wendet sich Ruth zu): Gesegnet seid ihr! Ruth (ringt um Boas’ Aufmerksamkeit): Lege den Zipfel des Gewandes auf mich! Boas: ... ja, ja, so will ich es tun! Naomi: Dank sei dir, o Boas! Ruth: Gesegnet bist du! Boas: Gesegnet bist du! Naomi: Gesegnet seid ihr! Baos: Gesegnet bist du, Ruth, du handelst aus Liebe! Ruth: Gesegnet seist du, du wählest mich aus Liebe, Boas: Gesegnet seist du, denn du wählest mich aus Liebe, Naomi: Gesegnet seid ihr, denn ihr wählet euch aus Liebe, Liebe ... Boas: nicht einen andern, Schönen, Besseren ... Ruth: Du wählest mich, nicht eine andre, Schöne, Bessere ... Naomi: Liebe, Liebe, Liebe! Darum fürchtet euch nicht! Boas (zu sich selbst): Ach ... noch einer, der ihr näher verwandt, kann das königliche Erbe ihrer Familie einlösen. Ach ... was kann ich andres tun? Ruth (zu sich selbst): ... hoffentlich bleibt er, mein Freund Baos ... nur diese eine Nach! Naomi (an Ruth gewandt): so oder so ... kommt bald der Morgen, was wird er dir versprechen, Ruth? Boas (wendet sich Ruth zu, doch sie hört ihn nicht): Wird er dich nehmen oder wirst du bald mein? Ruth (für sich): ... wird er mich nehmen, oder liebt er eine andere Frau? Boas: Zu deinen Füßen lege ich mich nur diese eine besondere Nacht ... (zu sich selbst): wird er sie nehmen? Wenn nicht, will ich sie wählen zur Frau! Ruth (zu sich selbst): Kalt ist mir ... ich hoffe, er bleibt hier ... nur diese, eine, besondere Nacht. Naomi (zu Ruth gewandt, doch sie hört nicht zu): Er legte den Zipfel seines Gewandes auf dich. Boas: Bliebt sie hier, bei mir? Ich will sie, ich will sie nehmen ... Ruth (wendet sich plötzlich Naomi zu): wird er mich nehmen? Ruth (wendet sich plötzlich Naomi zu): wird er sie nehmen? Boas: … zu meiner Frau! Ruth (fragend): Bin ich’s? Naomi (zu Boas): Sprich doch mit ihr! Boas (zu Ruth): Ja, du bist’s! Ruth (drängend): meinst du mich? Naomi (zu Boas): Sag’ es ihr nochmal! Boas (drängender): Ich meine dich! Naomi (zu Ruth): Er meint dich! Ruth (hoffnungsvoll): Ich werde? Naomi (zu Boas): Sag es ihr jetzt! Boas (zu Ruth, sehr bestimmt): Du wirst meine Frau! Naomi (drängt sich in den Vordergrund: Nun ist es klar, Ruth! Ruth (endlich zuversichtlich): Ich, Ruth? Boas (fest, sehr bestimmt): Du wirst meine Frau! Ruth (hoffnungsvoll): Ich werde? Naomi (zu Boas): Sag es ihr jetzt! Boas (zu Ruth, sehr bestimmt): Du wirst meine Frau! Naomi (drängt sich in den Vordergrund: Nun ist es klar, Ruth! Ruth (endlich zuversichtlich): Ich, Ruth? Naomi (für sich): Dank sei dir, Gott ... Ruth, Boas: Dank sei dir, Gott ... Naomi (wendet sich beiden zu): Gesegnet seid ihr! Boas: Dank sei dir, Gott ... Ruth, Naomi, Boas: Dank sei dir, Gott ... Ruth, Boas: Dank sei dir, Gott ... Naomi (wendet sich beiden zu): Gesegnet seid ihr! Ruth: Gesegnet bist du! Boas: Dank sei dir, Gott ... Gesegnet bist du! Ruth: Dank sei dir, Gott ... Gesegnet bist du! Naomi: Dank sei dir, Gott ... Gesegnet seid ihr!

II.4 In Schuld verstrickt, doch stark (Batseba)

Batseba, die Frau des Hethiters Uria, wusch sich am Abend. Vom Dach des Könighauses sah David die schöne Frau. Er ließ sie holen: „Bleibe bei mir – über Nacht“. Und er legte sich zu ihr.

Batseba, die Frau des Hethiters Uria Ließ David sagen nach der Zeit: „Ich bin schwanger – von dir.“ Und der König schrieb seinem Feldherrn; Stellt Uria nach vorne im nächsten harten Kampf. So starb Batsebas Mann.

Totenklage hielt Batseba nach der Zeit. „Nun bleibe bei mir“, meinte der König. Und sie gebar einen Sohn. Aber Gott missfiel die Tat Davids. Er ließ Nathan, den Propheten, zu David sprechen vom reichen Mann, der vom Armen nahm.

David: „Er ist des Todes.“ Nathan: „Du bist der Mann, der wie der Reiche übel tat!“ David: „So trage ich Schuld.“ Nathan: “Ja, vor Gott, aber Gott hat dir deine Sünde genommen.“

III. Perilog

Choral: „Nun komm der Heiden Heiland“ – „Wer bist du?“

(Text und Melodie: Martin Luther)

dazu: "– Wer bist du? Woher kommst du? Wohin gehst du? Oder sollen wir auf einen anderen warten? Wer bist du? Wer bin ich?"

IV. Maria

Magnificat

aus Lukas 1

46 Meine Seele erhebet den Herrn, 47 und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes; 48 denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. 49 Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und des Name heilig ist. 50 Und seine Barmherzigkeit währet immer für und für bei denen, die ihn fürchten. 51 Er übet Gewalt mit seinem Arm und zerstreuet, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. 52 Er stößet die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. 53 Die Hungrigen füllet er mit Gütern und lässt die Reichen leer. 54 Er denket der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, 55 wie er geredet hat unsren Vätern, Abraham und seinen Kindern ewiglich.

V. Auferstehung

"Wach auf, du Schläfer!“

Kehrvers (Epheserbrief Kaptiel 5, Vers 14, Übersetzung: „Gute Nachricht“):

Wach auf, du Schläfer! Steh auf vom Tod! Und Christus, deine Sonne, geht für dich auf.

und sechs Strophen von Michael Diezun:

1. Nacht kommt, Wasser steigt uns bis an den Hals Fluten verschlingen das Boot, aber du schläfst, HERR! Wir schreien zu dir: Wach auf, du Schläfer! Sag nur ein Wort zum Sturm: Sei still! Und wir sind gerettet.

2. Du zitterst vor Angst, du hörst nicht SEIN Wort Wir können nicht mehr wachen, dich nicht mehr trösten „Wacht auf! Seid ihr die Ersten, die gehen? Jetzt ist die Stunde!“

3. Ein Schrei! Du bist verloren! Der Tod siegt! Gott rettet dich nicht, wie soll er uns noch retten. Du Gott Israels, wach auf! Wehre dich! Erde bebt – Felsen zerfallen – die Welt vergeht.

4. Bleiches Licht, kühler Wind, die Sonn‘ geht auf. Im Kopf dröhnt Leere, Rücken gekrümmt, Herz blutet. „Auf zum Grab! Ihn salben, ihm Gutes tun!“ „Was sucht ihr Jesus, den Christus Gottes, bei den Toten?“

5. „Seid gegrüßt!“ Jesus traut‘s den Frauen zu: „Nie mehr habt Angst! Lauft los, predigt den Sieg Gottes! Wacht auf, der Heilige weckt aus dem Tod! Stärker als der Tod ist Gott, jetzt springt an seine Seite!“

6. Wach auf! Folg‘ dem Weg des Auferweckten Wag‘ dein Leben auf den Heiligen Israels Wach auf und bleib getrost, es gilt für uns: „Ich bleib‘ bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“

VI. Epilog

Turmbau – Pfingstwunder

Texte: Altes Testament (Mose: Turmbau von Babel), Neues Testament (Apostelgeschichte: Die Pfingstgeschichte), Choral („Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist“)