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Matthias Weckmann, Johann Sebastian Bach, Robert Schumann, Johannes Brahms, César Franck, Louis Vierne, Marcel Dupré, Marian Sawa und eine Improvisation

1. Matthias Weckmann (1621-1674):
Magnificat II. Toni

2. Johann Sebastian Bach (1685-1750):
„Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“ (Trio) BWV 655 aus den „Leipziger Chorälen“

3. Johann Sebastian Bach (1685-1750):
„Nun komm, der Heiden Heiland“ BWV 660 (a due bassi e canto fermo) aus den „Leipziger Chorälen“

4. Robert Schumann (1810-1856):
V. Fuge (Lebhaft) über B-A-C-H aus op. 60 (1845)

5. Johannes Brahms (1833-1897):
Praeludium und Fuge g-moll WoO 10 (1857)

6. César Franck (1822-1890):
Cantabile aus „Trois pièces“ (1878)

7. Louis Vierne (1870-1937):
Allegro vivace aus der 1. Orgelsymphonie op. 14 (1899)

8. Louis Vierne (1870-1937):
Scherzo (Quasi Presto) aus der 2. Orgelsymphonie op. 20 (1903)

9. Louis Vierne (1870-1937):
Cantabile (Andantino moderato) aus der 3. Orgelsymphonie op. 28 (1912)

10. Louis Vierne (1870-1937):
„Feux follets“ aus den „Pièces de Fantaisie“ (2me Suite, op. 53) (1926)

11. Marcel Dupré (1886-1971):
Prélude et fugue op. 7/III (Praeludium und Fuge g-moll) (1912)

12. Marian Sawa (geboren 1951):
„Fuga Bolero“ (1995)

13. Torsten Laux (geboren 1965):
Improvisation über den Choral „Vater unser im Himmelreich“

Matthias Weckmann (geboren 1621 in Niederorla/Thüringen, gestorben 1674 in Hamburg) gehört zu den wichtigsten Komponisten der norddeutschen Orgelschule. Sein sehr persönlicher Stil ist durch die Verbindung strenger Kontrapunktik mit starker Klangwirkung der hier vier- bis sechsstimmigen Sätze geprägt. Das Magnificat im 2. Ton bearbeitet vier Verse des Lobgesangs der Maria (Lukas 1, 46-55) und verwendet als cantus firmus die Melodie des 2. Psalmtons.

Johann Sebastian Bach legte zwischen 1747 und 1749 eine Sammlung von Chorälen aus seiner Weimarer Zeit an, die er nun überarbeitete und in den „Orgelchorälen aus der Leipziger Orginialhandschrift“ zuammenfaßte. Das Trio über „Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“ figuriert Motive aus der Choralmelodie, bis schließlich der cantus firmus im Pedalbaß zitiert wird. Die ebenfalls dreistimmige Bearbeitung des Adventsliedes „Nun komm, der Heiden Heiland“ besteht aus der verzierten Choralmelodie im Sopran und zwei bewegten Baßstimmen, die kanonisch nebeneinander herlaufen („sein’ Weg er zu laufen eilt“) und vermutlich die 2. Strophe („Gott von Art und Mensch“) versinnbildlichen sollen.

Robert Schumann studierte in Leipzig, 1844 ging er nach Dresden, 1850 als Musikdirektor nach Düsseldorf. Seine Fugen über die erstmals von Bach selbst bearbeitete Tonfolge b-a-c-h sind eine Auseinandersetzung mit dem kontrapunktischen Erbe des von Schumann bewunderten Barockmeisters, durch die er seine intuitive Schaffensweise disziplinieren wollte. Fast das ganze Jahr 1845 beschäftigte er sich daher mit „Fugengedanken“. Von seinen Fugen über „B-A-C-H“ glaubte er, daß sie vielleicht seine anderen Arbeiten, zu denen Klavierwerke, Lieder, Kammermusik und Symphonien zählen, am längsten überleben würden. Die 5. Fuge verwendet ein tänzerisch-kapriziöses Thema, das mit den Tönen b-a-c-h (die später auch in ruhigeren Notenwerten zitiert werden) beginnt.

Johannes Brahms wurde in Hamburg geboren, über Detmold kam er nach Wien. Seine Orgelwerke (Praeludien, Fugen und Choralvorspiele) haben ähnlich wie bei Schumann eine Sonderstellung in seinem von Klavierwerken und Symphonien dominierten Gesamtwerk und dienten der Aneignung der kontrapunktischen Formenwelt Johann Sebastian Bachs.

Dagegen war César Franck von Hause aus Organist. Er studierte in Paris und war dort seit 1859 Organist an Ste-Clotilde und seit 1872 Professor am Conservatoire. Seine Werke stehen am Beginn des Wiederaufstiegs der französischen Orgelkomposition und beeinflußten die Musik Frankreichs nachhaltig. Sein Nachfolger an Ste-Clotilde, Charles Tournemire, sah in Francks Cantabile eine „von Ungenügen erfüllte, flehentliche Bitte eines Heiligen, der sich der göttlichen Barmherzigkeit anvertraut“.

Der fast blinde Komponist und Orgelvirtuose Louis Vierne studierte bei Franck und Widor und war seit 1900 Organist an Notre-Dame und seit 1991 außerdem Orgellehrer an der Schola Cantorum in Paris. Das Allegro vivace aus der 1. Orgelsymphonie ist ein Scherzo (aber im 2/4 Takt!) in Beethovenscher Manier mit ruhigem Mitteilteil. Im Scherzo aus der 2. Symphonie ist diese klare dreiteilige Form aufgelöst und zu einer fünfteiligen Struktur erweitert - die perlende Achtelbewegung des Eingangsthemas überlagert ein zweimal auftretendes gesangliches Thema im Pedal. In der Cantilène aus der 3. Symphonie erwächst aus einer kurzen Einleitung eine ruhig bewegte Melodie, die nach einem ernsten Mittelteil mit lebhafterer Begleitung wiederholt wird; zum Abschluß erklingt nochmals der Gedanke des Mittelteils in schwebendem Streicherklang (Gambe et Voix céleste). Ein rhythmisch zerklüftetes Thema im 5/4-Takt und ein mehrfach variiertes chromatisches Thema mit flackernd bewegten Begleitstimmen wechseln sich im Charakterstück „Feux follets“ („Irrlichter“) aus den „Fantasiestücken“ ab, vermeiden dabei jede klare harmonische Festlegung und münden erst ganz zuletzt in einen h-moll-Dreiklang.

Dagegen sind Praeludium und Fuge g-moll von Marcel Dupré sehr klar strukturiert: Aus einem spinnradartigen Motiv erwächst im Praeludium (Vivace) ein choralartiges Thema, das zunächst im Pedal und dann in der rechten Hand erscheint, wobei die Füße schließlich bis zu vier Stimmen gleichzeitig zu spielen haben. Das gleiche „Choralthema“ führt Dupré in der Fuge (Vif) zunächst im Baß, dann im Sopran und schließlich in vollgriffigem Satz ein, während das drängende Hauptthema der Fuge immer weiter bearbeitet wird. Marcel Dupré war Schüler von Guilmant, Vierne und Widor, wurde 1926 Professor am Pariser Conservatoire und 1934 als Nachfolger Widors Organist an St-Sulpice. Er gilt als ein Hauptvertreter der französischen symphonischen Orgelmusik, unzählige Organisten gehörten zu seinem Schülerkreis.

Der polnische Komponist Marian Sawa ließ sich vom Rhythmus des spanischen Bolero zu einer unkonventionellen Orgelfuge, die als großartige Steigerung angelegt ist, inspirieren.

In der Improvisation über das Vaterunser-Lied Martin Luthers wende ich eine Tonleiter (II. Modus) des Dupré-Schülers Olivier Messiaen (1908-1992) an. Die dadurch entstehenden Verfremdungen der Melodie führen zusammen mit der daraus erwachsenden Harmonik zu einer zeitgenössischen Verklanglichung dieser sehr alten Melodie, die auf einen Tischsegen aus dem 14. Jahrhundert zurückgeht.