Ruth
in drei Sätzen:
1. "Naomi und Ruth an der Grenze" für 2 Soprane und Klavier (oder Orgel)
2. "Naomi und Ruth in Bethlehem" für 2 Soprane und Klavier (oder Alt und Klavier)
3. "Naomi, Ruth und Boas auf der Tenne in Bethlehem" für 2 Soprane und Klavier (URAUFFÜHRUNG 2010)
Musik: Torsten Laux
Text: Barbara Wilhelmi (nach dem Buch Ruth)
Geschichte:
Naomi und Ruth kommen aus dem Exil im Land der Moabiter, den Nachkommen einer der beiden Töchter, die ihren Vater Noah betrunken gemacht und vergewaltigt hatten, zurück nach Israel. Orpa, Ruth’s Schwägerin, hatte sich an die Weisung ihrer Schwiegermutter Naomi gehalten, in Moab zu bleiben. Aber Ruth, die andere Schwiegertochter, weigert sich: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen“ sagt sie. Naomi war vor Jahrzehnten wegen einer Hungersnot, so hieß es, aus Bethlehem mit ihrem Mann Elimelech nach Moab gezogen. Dann aber waren zuerst er, dann auch die beiden Söhne gestorben. Naomi will nun in ihre Heimat zurückziehen. Aber Ruth beharrt darauf, sie zu begleiten, obwohl sie dort Ausländerin im fremden Volk sein wird. Sie sagt: „Wo du hingehst, da will auch ich hingehen“. In Bethlehem fühlt Naomi die Schatten der Vergangenheit. Sie zweifelt, ob sie und Elimelech wirklich wegen des Hungers aus Bethlehem weggehen mussten. Gab es andere Gründe? Warum mussten ihre Söhne sterben? Sollte die Verheißung des Königtums verhindert werden? Sie fühlt Bitterkeit. Aber Naomi zeigt für Ruth einen Weg in die Zukunft: sie gibt ihrer Schwiegertochter den Rat, nachdem sie bei der Ährenlese auf dem Feld die Aufmerksamkeit Boas’ erregt hatte, sich nachts heimlich auf der Tenne zu seinen Füßen niederzulegen, um seine Liebe zu erregen. Am nächsten Morgen verhandelt Boas am Tor, einem wichtigen Rechtsort nach altem Brauch, um die Erlaubnis zu erhalten, Ruth zu heiraten. Naomi wird in die neue Familie Ruth’s aufgenommen und ist dadurch auch im Alter versorgt. Naomi wird Obed, Ruth’s neugeborenes Kind, das einmal der Großvater Davids sein wird, erziehen.
Text: 3. "Naomi, Ruth und Boas auf der Tenne in Bethlehem"
Ruth: ... unruhig suche ich ihn, Boas ... Dort liegt er! Den Platz zu seinen Füßen decke ich auf und lege mich wie Naomi mir riet ... zu seinen Füßen lege ich mich und warte und ziehe mich aus!
Boas: Kalt ist mir ... Was ist das? Wer bist du? ... zu meinen Füßen ... Wer bist du? Ruth (zögernd): Ich bin ... Boas: Sag es mir! Ruth (immer noch zögernd): Ich bin ... Boas (fordernd): Sag es mir! Naomi (im Hintergrund): Sag es ihm doch! Ruth (verzweifelt): Ich bin ... Boas (fordernd): Sag es mir doch! Naomi (drängt sich in den Vordergrund: Sag es ihm doch jetzt! Ruth (zeigt sich endlich): ... Ruth, Ruth. Naomi: Ruth! Boas: Ruth?
Ruth: Ich bin Ruth. Lege den Zipfel deines Gewandes ... Naomi (im Hintergrund): So ist es bei uns Brauch Boas (zeigt sich freundlich, nimmt einen Zipfel seines Gewandes, wendet sich Ruth zu): Gesegnet seid ihr! Ruth (ringt um Boas’ Aufmerksamkeit): Lege den Zipfel des Gewandes auf mich! Boas: ... ja, ja, so will ich es tun! Naomi: Dank sei dir, o Boas! Ruth: Gesegnet bist du! Boas: Gesegnet bist du! Naomi: Gesegnet seid ihr! Baos: Gesegnet bist du, Ruth, du handelst aus Liebe! Ruth: Gesegnet seist du, du wählest mich aus Liebe, Boas: Gesegnet seist du, denn du wählest mich aus Liebe, Naomi: Gesegnet seid ihr, denn ihr wählet euch aus Liebe, Liebe ... Boas: nicht einen andern, Schönen, Besseren ... Ruth: Du wählest mich, nicht eine andre, Schöne, Bessere ... Naomi: Liebe, Liebe, Liebe! Darum fürchtet euch nicht!
Boas (zu sich selbst): Ach ... noch einer, der ihr näher verwandt, kann das königliche Erbe ihrer Familie einlösen. Ach ... was kann ich andres tun?
Ruth (zu sich selbst): ... hoffentlich bleibt er, mein Freund Baos ... nur diese eine Nach! Naomi (an Ruth gewandt): so oder so ... kommt bald der Morgen, was wird er dir versprechen, Ruth? Boas (wendet sich Ruth zu, doch sie hört ihn nicht): Wird er dich nehmen oder wirst du bald mein? Ruth (für sich): ... wird er mich nehmen, oder liebt er eine andere Frau? Boas: Zu deinen Füßen lege ich mich nur diese eine besondere Nacht ... (zu sich selbst): wird er sie nehmen? Wenn nicht, will ich sie wählen zur Frau! Ruth (zu sich selbst): Kalt ist mir ... ich hoffe, er bleibt hier ... nur diese, eine, besondere Nacht ... Naomi (zu Ruth gewandt, doch sie hört nicht zu): Er legte den Zipfel seines Gewandes auf dich ... Boas: Bliebt sie hier, bei mir? Ich will sie, ich will sie nehmen ... Ruth (wendet sich plötzlich Naomi zu): wird er mich nehmen? Ruth (wendet sich plötzlich Naomi zu): wird er sie nehmen? Boas: … zu meiner Frau!
Ruth (fragend): Bin ich’s? Naomi (zu Boas): Sprich doch mit ihr! Boas (zu Ruth): Ja, du bist’s! Ruth (drängend): meinst du mich? Naomi (zu Boas): Sag’ es ihr nochmal! Boas (drängender): Ich meine dich! Naomi (zu Ruth): Er meint dich! Ruth (hoffnungsvoll): Ich werde? Naomi (zu Boas): Sag es ihr jetzt! Boas (zu Ruth, sehr bestimmt): Du wirst meine Frau! Naomi (drängt sich in den Vordergrund: Nun ist es klar, Ruth! Ruth (endlich zuversichtlich): Ich, Ruth? Boas (fest, sehr bestimmt): Du wirst meine Frau! Ruth (hoffnungsvoll): Ich werde? Naomi (zu Boas): Sag es ihr jetzt! Boas (zu Ruth, sehr bestimmt): Du wirst meine Frau! Naomi (drängt sich in den Vordergrund: Nun ist es klar, Ruth! Ruth (endlich zuversichtlich): Ich, Ruth?
Naomi (für sich): Dank sei dir, Gott ... Ruth, Boas: Dank sei dir, Gott ... Naomi (wendet sich beiden zu): Gesegnet seid ihr! Boas: Dank sei dir, Gott ... Ruth, Naomi, Boas: Dank sei dir, Gott ... Ruth, Boas: Dank sei dir, Gott ... Naomi (wendet sich beiden zu): Gesegnet sied ihr! Ruth: Gesegnet bist du!
Boas: Dank sei dir, Gott ... Gesegnet bist du! Ruth: Dank sei dir, Gott ... Gesegnet bist du! Naomi: Dank sei dir, Gott ... Gesegnet seid ihr!
Boas: Dank sei dir, Gott ... Gesegnet bist du! Ruth: Dank sei dir, Gott ... Gesegnet bist du! Naomi: Dank sei dir, Gott ... Gesegnet seid ihr!
Text: Barbara Wilhelmi (nach dem Buch Ruth)